Holismus-Logo Logo-Schriftzug.png

Zusammenfassung vorab

»Nehmt nichts von dem, was ich euch lehre, einfach aus Glauben oder aus Respekt vor mir an, sondern überprüft es selbst, als ob ihr Gold kauftet. … So, wie ihr Gold durch Brennen, Schneiden und Reiben prüfen würdet, prüft der Kluge auch meine Unterweisungen. Unterzieht meine Lehren einer gründlichen Überprüfung, nehmt sie nicht einfach guten Glaubens an.«

Siddhartha Gautama

Penrose Dreieck
Schein oder Sein sind manchmal schwer zu unterscheiden (Quelle: Alexas_Fotos, pixabay.com)

Während uns die erkennbare Wirklichkeit vertraut und normal vorkommt, erscheinen die Aussagen über Quantenphysik, Relativität, Naturgesetze, Kräfte und Energie vielen Menschen vermutlich eher wie unverständliche oder gar leere Worte. Trotzdem haben wir keine andere Wahl, als auch das kaum Vorstellbare mit Worten zu beschreiben. Auch wenn wir dabei stets auf der Hut sein müssen, das Modell nicht mit dem Original zu verwechseln, können wir durchaus darauf vertrauen, dass die Wahrheit zwischen dem Dickicht der Worte hindurchschimmert – wenn wir genau hinsehen!

Diese ganzheitliche »Erkenntnisfindung« kommt zu folgenden Schlüssen:

Wie bereits in der Einleitung beschrieben, ist es nach den Aussagen der Quantentheorie, der System- und Evolutionstheorie sehr unwahrscheinlich, dass unser Ich nach dem Tod in einem körperlosen Seelenzustand weiter existiert. Ebenso unwahrscheinlich ist es indes auch, dass wir in ein »dunkles Nichts« fallen: »Unser Wir« verschwindet nicht, wenn ein Mensch stirbt.

Viel wahrscheinlicher ist daher die Schlussfolgerung, dass jedes einzelne Bewusstsein mit dem Körper stirbt; während die zugrundeliegende Fähigkeit, die Welt wahrzunehmen, davon unberührt bleibt. Als Teil der Menschheit leben wir ewig (beziehungsweise so lange, wie es Menschen oder ähnlich hoch organisierte Wesen geben wird). Nach dem Tod wird das geistige Welterleben für jeden von uns ohne Unterbrechung weitergehen – ohne eine Seelenwanderung oder ein geheimnisvolles Jenseits –, denn jedes Bewusstsein braucht ein Gehirn, doch jedes Gehirn ist wiederum Folge einer Kraft, die »die Welt spiegeln kann und will«.

Dieser Gedanke wird verständlich, wenn wir erkennen, dass diese »Geisteskraft« keine Folgeerscheinung unseres Gehirns ist, sondern seine Ursache! Wir neigen dazu, Ursache und Wirkung zu vertauschen, weil wir vorwiegend materialistisch denken. Jegliche Ursache irgendwelcher Veränderungen im Universum beruht auf Kräften, Naturgesetzen oder Zufällen – niemals auf körperlich-materiellen »Dingen«. Die »Dinge« der mess-, zähl- und berechenbaren Welt sind immer nur Wirkungen dieser »ursächlichen Wirklichkeit«.

Nordlicht im Sonnenuntergang
Jede Ursache beruht auf Kräften, Naturgesetzen oder Zufällen. Das Nordlicht etwa entsteht durch elektrisch geladene Teilchen von der Sonne, die mit Luftmolekülen reagieren (Quelle: Arctic light – Frank Olsen, Wikimedia commons)

Die »ursächliche Wirklichkeit« ist der eigentliche Antrieb der Evolution des Universums. Ihre erste Erscheinungsweise – und ihre eigentliche Natur – ist die raum- und zeitlose, weder teil- noch berechenbare Urkraft. Mit dem Urknall setzte sie die Existenz der Dinge in Gang. In Form des universalen Quanten-Kraftfeldes »formulierte« sie die Naturgesetze, die sie über die uns bekannten physikalischen und chemischen Wechselwirkungen »in Kraft setzte«. Zu diesen Kräften gehört auch die Fähigkeit hoch vernetzter Strukturen, Geist hervorzubringen.

Ohne den geringsten Zweifel will die Urkraft sich im Universum verwirklichen: in immer höher organisierter Form als streng geordnetes, in etlichen Ebenen aufgebautes Gesamt-System. Dieser Prozess des »großen Werdens« ist nur zum Teil berechen- und vorhersehbar, da immer wieder Zufallsereignisse stattfinden, die in der »ursächlichen Wirklichkeit« der Quantenwelt ihren Ursprung haben. Doch genau diese Ereignisse sind ganz entscheidend für die Höherentwicklung: Zum einen führen sie mit ihrem ständigen Störfeuer langfristig zur Stabilisierung und Vervollkommnung der Systeme, da sie ohne Unterlass neue Abwehrstrategien produzieren müssen. Zum anderen öffnen sie den Sprung auf die nächsthöhere Daseinsebene: jedes mal, wenn die vorhersehbare Entwicklung ihre Grenzen erreicht. Das Ganze ist immer mehr als die Summe seiner Teile: Von der Quantenebene auf die Ebene der Atome. Vom schwerstmöglichen Atom auf die Ebene der Moleküle, weiter zum Leben, zum Bewusstsein … und vermutlich noch darüber hinaus.

So, wie Ameisen sicher kein menschliches Bewusstsein erkennen, können wir nicht ansatzweise erahnen, welche Ebenen noch über unserem Bewusstsein liegen. Wir wissen, dass das Prinzip im Grad der Vernetztheit wurzelt und wir müssen erkennen, dass sowohl die Erde als auch das gesamte Universum weitaus komplizierter vernetzt sind als ein einzelnes menschliches Gehirn. Dennoch sind die meisten Wissenschaftler eher bereit, einem Supercomputer ein künstliches Bewusstsein zuzutrauen als dem hochvernetzten Planeten oder dem gesamten Universum etwas Geistiges.

Vom Mikro- zum Makro-Kosmos
Das Universum: Ein System aus Systemen aus Systemen ... ein gigantischer Superorganismus? (Quelle: NASA/JPL-Caltech)

Wir können mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass zumindest die Menschheit als Ganzes Trägerin der »Geisteskraft« ist, die jedem Einzelnen sein Bewusstsein verleiht. Ebenso sicher sollten wir annehmen, dass die gesamte Erde – zumindest ihre lebendige »Haut«, die Biosphäre – ein Super-Organismus ist, der sowohl eine Art höheres Bewusstsein, als auch ein noch besser organisiertes »Immunsystem« als jedes Einzellebewesen hat.

Dieser Super-Organismus wird alles dafür tun, dem Drang des Universums zu immer höherer Ordnung zu folgen. Derzeit verstoßen wir Menschen massiv gegen diese Ordnung: Wir wachsen ungehemmt; setzen in Millionen Jahren gebundene Stoffe frei; verseuchen die Biosphäre mit einer Unmenge an giftigen Abfallprodukten; zerstören wahllos ganze Ökosysteme; rotten Arten schneller aus als zum Ende der Saurierzeit; überwuchern die Erdoberfläche mit einem »Netz aus Asphalt, Metall und Beton«; und verbrauchen sorglos ein Vielfaches an Energie als uns zusteht. Wir glauben – oder wir merken nicht – dass wir uns immer mehr von unseren Lebensgrundlagen »entkoppeln«.

Wir glauben, unsere eigenen Regeln machen zu können und uns mit Hilfe von Wissenschaft und Technik aus dem Griff der Naturgesetze befreien zu können. Unser Verhalten im System Erde gleicht dabei recht genau einer Krebserkrankung. Demgegenüber halten wir uns jedoch für die »Krone der Schöpfung«, für freie Menschen und Herrscher der Erde.

Dow Jones im Smog
Reichtum auf Kosten der körperlichen und seelischen Gesundheit: Ist das weise? (Quelle: © Frank Baldus, Collage aus gemeinfreien Bildern)

Vielleicht ist es unsere Aufgabe im »Großen Ganzen«, die Welt bewusst zu erkennen und geistig zu wachsen – nicht mehr und nicht weniger! Im Gegensatz zur Urkraft sind wir nicht absolut frei, denn unser Bewusstsein ist abhängig von der Funktion aller möglicher Systeme und unser Leben ist abhängig von einer intakten Biosphäre. Es sieht jedoch ganz danach aus, als ob unsere »Erkrankung« insbesondere mit dieser falsch empfundenen Freiheit zu tun hat. Je mehr wir uns mit Hilfe technischer Lösungen von der Natur entfernten, desto größer wurde unser Selbstvertrauen und das Gefühl der Macht über die Dinge.

Wir müssen unser Weltgespür wiederfinden und unser »Großes WIR« entdecken, um gemeinsam unsere globalen Probleme überwinden zu können. Wir nennen uns Homo sapiens, »weiser Mensch«. Es wird Zeit, diesen Namen endlich zu verdienen!

Was wir auch tun, wir müssen nicht nur sterben, sondern auch immer wieder leben – solange noch mindestens ein Mensch auf der Erde existiert. Das heißt, wir müssen alles, was wir heute anrichten, in irgendeinem späteren Leben »ausbaden«. Das Los jedes Einzelnen ist auf diese Weise unentrinnbar mit dem Los der gesamten Menschheit verbunden. Wir sollten begreifen, dass Himmel und Hölle konkrete Orte auf der Erde sind!


◄  Appell Kapitel 1  ►

Hier kann das nebenstehende Kapitel diskutiert oder kommentiert werden. Allgemeine Kommentare bitte beim Auftakt.