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Relativ und Absolut

Ameise und Elefant
Relativ gesehen ist die Ameise viel stärker als der Elefant. Sie kann mehr als das zehnfache ihres Eigengewichtes tragen (Quelle: Collage aus TheWB, Wikimedia commons und Mathias Krumbholz, Wikimedia commons)

Wer kennt nicht den berühmten Ausspruch »Alles ist relativ«, der entstand, um die Erkenntnisse der Relativitätstheorie auf einen einprägsamen Satz zu schrumpfen. Bleibt die Frage, ob es demgegenüber tatsächlich etwas Absolutes gibt oder ob das nichts als pure Einbildung ist?


Relativ

Eine Erscheinung oder ein Vorgang ist relativ, wenn er unumstößlich von äußeren Bedingungen abhängig ist. Wir Menschen sind von anderen Menschen und der Umwelt abhängig. Unsere Umwelt ist von den Eigenschaften der Erde – aber ebenso von unserem Handeln abhängig. Die Erde ist vor allem von der Sonne abhängig. Die Sonne von ihrem inneren »Energievorrat« und so fort.

Man findet in der Tat nichts real Existierendes im Universum, dass nicht irgendwie von irgend etwas anderem abhängig wäre. Demzufolge ist die Relativität der Dinge geradezu die Universalie der Welt. Alles ist mit allem vernetzt und voneinander abhängig – unumkehrbar.

Doch was ist mit dem Universum als Ganzem? Ist es relativ oder absolut?


Absolut

Wir bilden den Begriff absolut aus der Vorstellung heraus, dass es einen Gegenbegriff von »relativ« geben müsste. Da es innerhalb des Universums jedoch nichts Unabhängiges gibt, ist schon allein diese Vorstellung schwierig. Rücken wir diesen Begriff zuerst einmal mit der theoretischen Logik zu Leibe: »Was wäre absolut, wenn es so etwas gäbe«?

Fraktale Formen
Fraktale (geometrische Muster oder Gebilde aus der stetigen Wiederholung bestimmter mathematischer Funktionen) rekonstruieren eindrucksvoll die absolute Kreativität des Universums (Quelle: longan drink, flickr)

Absolut hieße schlicht:

Unabhängig und frei von allen Bedingungen und damit vollkommen unberechenbar.

Vor diesem Hintergrund erkennen wir, dass das Universum relativ ist, denn es ist abhängig von den Naturgesetzen. Da diese Kräfte wiederum nur dann in Erscheinung treten, wenn Quanten vorhanden sind, sind auch sie aus diesem Blickwinkel nur relativ universal.

Wenden wir uns daher abschließend einer weiteren Theorie zu, die eine absolut universale Kraft voraussetzt, der Urknall-Theorie:

Wir wissen, dass sich das Universum stetig ausdehnt und dabei zunehmend abkühlt. Da scheint es logisch, dass es früher einmal viel kleiner und viel heißer gewesen sein muss und aus einer Art Explosion hervorging. Diese einfache Schlussfolgerung ist in der Tat die Grundidee für die Urknall-Theorie. Die Wissenschaft kann heute mit sehr großer Wahrscheinlichkeit das Alter, die Größe und jeweilige Zusammensetzung des Universums zu allen Zeiten nach dem hypothetischen Nullpunkt berechnen. Es ist rund 13,8 Milliarden Jahre alt. Die bekannten Naturgesetze galten bereits, als das gesamte Universum nur ein 100 Quintillionstel Millimeter (32 Nullen vor der Eins) groß war.

Der absolute Nullpunkt des Urknalls ist nicht mathematisch nachvollziehbar und daher nur hypothetisch. Die meisten Fachleute gehen jedoch davon aus, dass zu diesem Zeitpunkt – der »Singularität« genannt wird – die Materie/Energie noch nicht vorhanden und demgegenüber die Kraft unendlich groß war. An diesem Punkt gab es weder Raum noch Zeit, weder Masse noch Energie, weder das Higgsfeld noch andere unterscheidbare Kräfte – und eben auch noch keine Naturgesetze. Hier entdecken wir also eine absolut universale Kraft, die bisweilen als Urkraft bezeichnet wird. Es wird angenommen, dass alle bekannten Kräfte und Naturgesetze sich auf diese eine Kraft zurückführen lassen. (Angesichts der mathematischen Problematik ist dies allerdings noch kein Bestandteil des Standardmodells oder einer anderen Theorie).

Paralleluniversen?
Parallele Universen: Fiktion oder Wirklichkeit? (Quelle: Lee Davy, flickr)

Hier wurzelt die sonderbare Antwort so mancher Physiker, wenn sie nach den Grundfragen der Existenz gefragt werden: »Was ist außerhalb des Universums?«, »Was war davor?« oder »Warum existiert es?« – »Da auch Raum und Zeit mit dem Urknall entstanden, sind diese Fragen sinnlos«.

Doch seit alters her geben sich einige Menschen nicht mit der Vorstellung von etwas Absolutem zufrieden. Im Hinduismus etwa geht man von ewig neu entstehenden Universen aus, die ohne Anfang existieren. Einige Physiker diskutieren die Existenz von Parallel-Universen, die gleichzeitig existieren. Sie wollen damit die Existenz einer unendlichen Urkraft und eines allgegenwärtigen Kraftfeldes widerlegen, da es den geltenden Naturgesetzen vollkommen widerspricht. Solche Ideen verlagern das Problem jedoch lediglich zeitlich oder räumlich, ohne es wirklich zu lösen.

Die raum- und zeitlose Existenz der Urkraft macht es vollkommen unmöglich, sie im Rahmen unseres logischen Denkens zu ergründen. Sie ist nicht vorhersagbar, keinerlei Regeln unterworfen, weder Raum noch Zeit, weder richtig noch falsch. Ungeachtet dessen entstand aus ihr Materie und Energie, Universales und Konkretes, Richtiges und Falsches … bis hin zum menschlichen Bewusstsein … und vermutlich darüber hinaus.

Wenn das so ist, müssen wir uns die Frage stellen: »Ist die Mathematik überhaupt geeignet, um die Welt vollständig abbilden zu können?«


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