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Das Weltbild der Systemwissenschaften

Viren im Computer
Was machen die Viren im Computer? Für alle Systeme gelten die gleichen Regeln (Quelle: © Frank Baldus, Collage aus gemeinfreien Bildern)

Seit jeher wissen wir aus Erfahrung, dass nahezu alles in der Welt aus verschiedenen Einzelteilen zusammengesetzt ist und dass oftmals bestimmte Prozesse zwischen den Einzelteilen ablaufen, die sich ständig wiederholen und offenbar dem Funktionieren des Ganzen dienen.

Mitte des 20. Jahrhunderts reifte die Erkenntnis, dass all diese »Funktionseinheiten« den gleichen Gesetzen unterliegen müssten. Man entdeckte erstaunlich viele Gesetzmäßigkeiten, die gleichermaßen für alle Lebewesen, für Immunsysteme, Gehirne, Biotope, Wirtschaftskreisläufe, Familien, Staaten, Planeten, technische Anlagen, Computer und vieles mehr gelten. Dies macht Erscheinungen vergleichbar, die normalerweise nichts miteinander zu tun haben. Der abstrakte Begriff der Systeme war geboren. Der Begriff »System« ist übrigens gleichbedeutend mit »Ganzheit«.

Jedes Funktionsgefüge, das aus miteinander verbundenen und sinnvoll miteinander wechselwirkenden Einzelteilen besteht, kann man als System bezeichnen. Sinnvoll heißt, dass die Funktionen der Einzelteile so zusammenspielen, dass sie zu einer übergeordneten Einheit führen. Jedes System hat mehr oder weniger offene Grenzen, damit die inneren Wechselwirkungen von äußeren Zuständen möglichst unbeeinflusst ablaufen können. Jedes System steht (zumindest irgendwann) im Austausch mit seiner Umgebung: Es tauscht Energie und/oder Stoffe und/oder Informationen mit seiner Umwelt aus, die zum Erhalt der Funktionen notwendig sind.

Für unseren weiteren Gedankengang ist vor allem das Prinzip der Vernetzung ausschlaggebend. Die raffinierten Muster der konkreten Vielfalt unserer Alltagswelt werden durch die Systemtheorie greifbar: Das gesamte Universum ist ein System, das aus Systemen besteht, die wiederum auf Systemen beruhen, deren Bestandteile Systeme sind – bis hinunter zu den Quantensystemen als kleinsten berechenbaren Bausteinen der Welt.

Mond-Krater
Im Gegensatz zum »lebendigen System Erde« haben tote Himmelskörper wie der Mond keinen Schutzschild, der vor Meteoriteneinschlag schützt (Quelle: NASA, Wikimedia commons)

Daraus folgt eine gigantische Systemvernetzung, die man sich von den Quanten bis hin zum Großen Ganzen vorstellen muss!

Es ist offensichtlich, dass der Austausch der Systeme untereinander die Funktion des jeweils übergeordneten Systems gewährleisten muss – ebenfalls bis hoch zum Universum als Ganzem! Der Austausch unterliegt daher strengen Gesetzmäßigkeiten. Vereinfacht gesagt:

Die Stoff- und Energiekreisläufe sind so beschaffen, dass jedes System ausreichend versorgt ist. Das vorrangigste »Ziel« ist dabei immer die dauerhafte Erhaltung des Gesamtsystems.

Da dennoch ständig Fehler und Zufälle auftreten, haben sich im Laufe der Jahrmillionen Kontroll- und Schutzmechanismen herausgebildet, die sowohl die inneren Abläufe als auch den Austausch mit der Außenwelt zum Erhalt des Ganzen überwachen. Im einfachsten Fall ist das die Balance zwischen Schwerkraft und Fliehkraft, die beispielsweise zwischen den Planeten und der Sonne wirkt. In der Technik kennen wir etliche Geräte, die bestimmte Zustände aufrecht erhalten wie etwa das Heizungsthermostat. In der Arbeitswelt sprechen wir von Kontrollsystemen und die Polizei ist das Kontrollorgan eines Staates.

Wieder einmal stoßen wir auf den Begriff »Zufall«. Die Physik geht davon aus, dass der »echte, blinde, blanke Zufall« nur in der Quantenwelt existiert. Doch das ist leicht dahergesagt, denn es entspricht nicht wirklich unserer alltäglichen Erfahrung, in der doch scheinbar häufig Zufälle auftreten. Dass der Zufall etwas anderes ist als das Chaos, dass er ausgesprochen geheimnisvoll und unheimlich ist – aber dennoch eine zentrale Rolle im »großen Werden« spielt –, offenbart uns die Chaosforschung.


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