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Das biologische Weltbild

Hadza Jäger
Die Jäger sind vom Wild abhängig; das Wild von der Pflanzenwelt; die Pflanzenwelt vom Klima ... und das Klima u.a. von der Technologie der »globalen Jäger und Sammler« (Quelle: Hadza Jäger, Woodlouse, Wikimedia commons)

Die Entstehung des Lebens vollzog sich in einer ganz bestimmten Zusammensetzung der Umwelt aus verschiedenen anorganischen Molekülen, die mit Hilfe einer Energiequelle erstmals zu organischen Molekülen wurden. Diese Umwelt wird häufig »Ursuppe« genannt. Warum das Leben entstanden ist, kann die Biologie genauso wenig beantworten wie die Physik den Urknall.

Danach setzte das ein, was wir heute nach der gleichnamigen Theorie als Evolution bezeichnen: Die allmähliche, selbsttätige Veränderung des Lebens von Generation zu Generation durch eine permanente Anpassung der Lebewesen an die sich ändernden Umweltbedingungen. Dies geschieht in zweierlei Weise:

Zum einen in der organischen Verbindung verschiedener Lebewesen zu neuen, komplizierter aufgebauten Lebewesen. Zum anderen in der nachträglichen Abgrenzung gleichartiger Zellen innerhalb einer Art zu spezialisierten, nun unterscheidbaren Organen.

Die Einzelteile unterwerfen sich dabei einem gemeinsamen Ziel, sind untrennbar miteinander vernetzt und voneinander abhängig. Gleichzeitig genießen sie jedoch den Schutz und die energetische Versorgung durch ihre übergeordnete Einheit.

Dieser Prozess ist hochgradig kreativ und selbstantreibend, denn jegliche Veränderung bei einer Art verändert ihrerseits die Umwelt und gibt damit wieder den Anstoß für die Weiterentwicklung benachbarter Arten. Die Lebewelt schaukelt sich gewissermaßen auf immer höher organisierte Ebenen hoch.

Hopetoun Wasserfälle
In der Natur ist alles vielfältig miteinander vernetzt – gerade so wie die Organe in einem Körper. Ist es angebracht, die ganze Erde als Superorganismus anzusehen? (Quelle: Diliff, Wikimedia commons)

Bemerkenswert ist dabei – wie in der Physik – die Rolle von Zufällen und Fehlern, von Tod und Verfall. Was auf den ersten Blick schädlich, unnötig oder gar zerstörerisch erscheint, spielt in der Evolution eine entscheidende Rolle als »Prozessbeschleuniger« ersten Ranges: Das Leben lernt aus Fehlern (zufälligen Mutationen) und nutzt den Kreislauf von Geburt und Tod, um (mit Hilfe der Selektion) immer raffinierter gebaute Lebewesen hervorzubringen. Das gleiche gilt für die kulturelle Entwicklung des Menschen: Auch hier sind es die Probleme, die Krisen und Fehler; die erst durch Ideen, Entdeckungen und Erfindungen – bei denen der Zufall immer eine wichtige Rolle spielt – gelöst werden.

Wie uns die eher ganzheitlich orientierte biologische Teilwissenschaft der Ökologie lehrt, geht dieser Prozess des Vernetzens über die Ebene der Einzelwesen weit hinaus: In sozialen Gruppen verbünden sich bestimmte Arten zum Wohle ihrer Mitglieder. Konkrete Biotope sind Lebensgemeinschaften ganz unterschiedlicher Arten, die sich gegenseitig das Leben ermöglichen. Ganze Ökosysteme sind schließlich aus vielerlei miteinander wechselwirkenden Biotopen organisiert, um etwa die klimatischen Gegebenheiten optimal auszunutzen. Einige wenige Wissenschaftler gehen davon aus, dass die gesamte irdische Lebenswelt – die Biosphäre die höchste Ebene dieser verschachtelten Rangordnung ist.

An dieser Stelle spielen einige neue Begriffe eine wichtige Rolle, die wir näher betrachten sollten: »Ziel«, »Vernetzung« und »Systeme«. Was genau ist ein »System«? Warum kommt es in der Natur zu immer komplizierterer »Vernetzung«?


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