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Die notwendige Verbindung von Wissen und Glauben

Mönche schützen Regenwald
Mother Nature, ein Netzwerk buddhistischer Mönche aus Kambodscha, die aktiven Regenwaldschutz betreiben (Quelle: © Mother Nature, auf regenwald.org)

Keine Wissenschaft kann erklären, warum sich im Universum eine naturgesetzliche Ordnung entwickelt hat und nicht das Chaos überhand nahm. Diese offensichtliche Tatsache wird einfach als gegeben hingenommen. Dabei ist es mehr als erstaunlich, wie wir bereits erfahren haben. Genauso steht es um die Aussage, dass der Beobachter einer Quantenveränderung den Ausgang des Experimentes bestimmt.

Kaum jemand kommt auf die Idee, hier von Glauben zu sprechen.

Die Religionen geben nicht nachvollziehbare mystische Gründe für die Existenz der Welt an, aber sie fragen gegenüber den Wissenschaften nach dem Sinn dieser Ordnung und vermuten darin das Gute, das Richtige und Wichtige. Daraus folgt die Ermahnung, das ordnende Gesetz in der Vielfalt der Welt als bedingungslose Größe anzuerkennen. Diese Forderung kommt in allen Religionen vor, auch wenn sie zum Teil vollkommen anders ausgedrückt wird.

Das Universum ist eine Einheit, die nur bestehen kann, weil die Einhaltung der Ordnung für seinen Fortbestand und seine Weiterentwicklung nicht verletzt werden darf – ob wir sie nun als Gottes Gesetze verstehen, als Harmonie der Gegensätze oder als Naturgesetze. Diese zutiefst religiöse Annahme weist dem Menschen eine ganz andere Stellung zu als die »seelenlose« Annahme der Wissenschaften.

Die Religionen folgern daraus: Wenn wir die Gesetze missachten, wenn wir der Willkür zuviel Raum geben, versündigen wir uns an der Schöpfung, verletzen die kosmische Harmonie, gefährden die weitere Entwicklung des Menschen, der Erde oder gar des Universums.

Miller: Jüngstes Gericht
Das »Jüngste Gericht« im Christentum: Welchen Sinn hat eine solche Vorstellung? (Quelle: Matthis Miller 1518, Wikimedia commons)

Wohl jeder Mensch – wenn er sich nicht gerade in irgendeine interessengeleitete Ideenlehre verstrickt hat – wird heute erkennen, dass etliche Dinge unserer Welt »nicht stimmen«. Ohne einen Maßstab für das Große Ganze sind wir allerdings nicht in der Lage, die Probleme der Welt realistisch zu beurteilen. Das zerstückelte Halbwissen über moderne Theorien erzeugt in uns keine innig gefühlte Betroffenheit, die nötig ist, um unser Verhalten zu verändern.

Wir brauchen beides: Vernunft und Gefühl in ganzheitlicher Ausprägung.

Wir haben bereits gesehen, dass die Existenz der Welt nicht nur logisch ist. Jetzt sollten wir erkennen, dass Glaube nicht das Gegenteil von Wissen ist – sondern seine notwendige Ergänzung; sein Gegenspieler.

Nur aus ganzheitlichem Wissen und Glauben kann Weisheit entstehen!

Nochmals: Glaube wird hier im Sinne einer natürlichen Religiosität verstanden und nicht in Bezug auf Gott oder eine bestimmte Religion! Da alle Religionen nicht nur in der Wahrheit, sondern mindestens ebenso stark im »geschichtlichen Kompost ganz bestimmter Kulturen« wurzeln, darf man bezweifeln, ob ein ganzheitlicher, globaler Glaube aus einer der bestehenden Religionen abgeleitet werden kann.

Auch wenn es angesichts so unterschiedlicher Menschen und Kulturen vollkommen unmöglich klingt: Wir brauchen dringend ein tiefes Weltgespür, zu dem sich die gesamte Menschheit bekennen kann!

Wir versuchen hier, die notwendigen Voraussetzungen für solch ein »Weltgespür« zu schaffen. Doch sollten wir noch keine voreiligen Schlüsse ziehen und unserem ganzheitlichen Weg konsequent weiter folgen.


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