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Was wir wissen müssten

»Es ist, als ob die närrischen Menschen den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen könnten; sie suchen was ihnen vor der Nase liegt, und was sie bloß deswegen nicht finden, weil sie sich in einer Art von Schneckenlinie immer weiter davon entfernen.«

Christoph Martin Wieland

Hund mit Doktorhut
Ist das moderne Wissen nur Experten vorbehalten? (Quelle: Florida Memory Project, Wikimedia commons)

Vor rund 2.500 Jahren soll der chinesische Philosoph Konfuzius gesagt haben: »Bildung soll allen zugänglich sein. Man darf keine Standesunterschiede machen«.

Vor genau 500 Jahren veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen gegen die Ablass-Praktiken der katholischen Kirche. Er wurde daraufhin zum Vorkämpfer für eine Bildung, die jeder verstehen kann: Er gelobte feierlich, die heilige Schrift gewissenhaft zu studieren und wortgetreu zu predigen, indem er sie in der Sprache des Volkes verständlich machte.

Im Jahr 2001 wurde mit Wikipedia eine kostenlose Bildungsplattform im Internet geschaffen. Ihr Ziel ist es, das gesamte Wissen der Menschheit neutral und in bestmöglicher Qualität, frei zugänglich zu machen. Bis heute existieren rund 45 Millionen Artikel weltweit, die von zehntausenden freiwilliger Autoren in fast 300 Sprachen online gestellt wurden.

Ein beachtlicher Fortschritt.

Am 13. November 2017 haben 15.372 Wissenschaftler aus 185 Ländern über das internationale BioScience-Magazin eine zweite Warnung an die Menschheit gerichtet. Die dauerhafte Stabilität unserer Lebensgrundlagen ist in Gefahr:

Seit der ersten Warnung von 1992 hat es außer beim Schutz der Ozonschicht und der Gefahr der Überfischung keinerlei reale Fortschritte gegeben – im Gegenteil! Fast alle wichtigen ökologischen Kennzahlen haben sich drastisch verschlechtert. Besonders beunruhigend sind die Trends bei der Klimaerwärmung, der Entwaldung, der Zunahme toter Gewässer und beim massenhaften Artensterben.

Bereits 1972 sagte die Studie »Die Grenzen des Wachstums« große globale Probleme voraus, wenn nicht zielstrebig gegen die immer rasanter wachsenden Probleme Bevölkerungsexplosion, Rohstoff- und Energieverbrauch und der Umweltverschmutzung und -zerstörung vorgegangen würde. Darauf folgten viele weitere Umweltstudien, die im Großen und Ganzen die Grenzen des Wachstums bestätigten – und die immer alarmierender wurden.

Grafiken aus der Studie »World Scientists’ Warning to Humanity: A Second Notice«
Die wichtigsten ökologischen Kenngrößen der Erde, Stand 2017 (Quelle: Grafiken Fährtenleser, Wikipedia)

Trotz der »Meilensteine« der internationalen Umweltpolitik sowie Millionen von Menschen, die sich tagtäglich in hunderten verschiedener Organisationen aktiv für Umwelt- und Naturschutz, Nachhaltigkeit und Menschenrechte einsetzen, ist keine Umkehr der negativen Trends erkennbar. Es ist im Gegenteil kaum vorstellbar, dass etwa ein OPEC-Land dauerhaft darauf verzichten würde, nicht auch noch den letzten Tropfen Öl aus der Erde zu quetschen. Je mehr wir verbrauchen und zerstören, desto besser geht es der Wirtschaft, desto mehr wird für einige wenige Menschen Gut in Geld und Macht umgewandelt.

Es besteht offenbar ein gewaltiges Ungleichgewicht zwischen Wollen und Tun!

Offensichtlich sind die meisten Politiker dieser Welt nicht in der Lage, die notwendigen Maßnahmen einzuleiten, um diese Trends umzukehren: Trotz besseren Wissens. Vielleicht ist es aber auch die verselbstständigte Logik von Wettbewerb und Wachstumszwang in der globalen Marktwirtschaft, die dazu zwingt, vorwiegend kurzfristig zu denken und langfristige Wirkungen auszublenden. So lässt sich recht gut erklären, warum Raubbau und Ausbeutung immer mehr zunehmen und auch Hochrisikotechnologien wie etwa die Kernenergie zum Einsatz kommen.

Eine alarmierende Situation.

Alle Menschen sind für die Erhaltung unserer Existenzgrundlagen, doch die wenigsten sind sich der verhängnisvollen Zusammenhänge zwischen alltäglichem Verbrauch und globaler Zerstörung bewusst. Unser Blickfeld wird immer enger auf unser eigenes Leben bezogen, obwohl der Einfluss jedes Einzelnen auf die gesamte Erde immer größer wird. Wir handeln global und denken lokal.

Was muss man wissen und was nicht? Auf jeden Einzelnen bezogen kann man darüber trefflich streiten. Doch auf die gesamte Menschheit bezogen, gehört das Wissen um den Zustand der Erde eindeutig dazu! Niemand soll sagen können, er habe nichts davon gewusst.

Es geht nicht vorrangig darum, zu wissen, wie man seinen Müll trennt oder ob der neue Pullover von Kinderhänden in Bangladesch gefertigt wurde. Das sind Details. Es geht nicht einmal vorrangig darum, die Zusammenhänge des Klimawandels zu kennen oder was in den Parteiprogrammen steht.

Erde bei Nacht
Auf der Nachtseite der Erde sind die globalen Auswirkungen unseres Handelns deutlich sichtbar (Quelle: Panoramio, Wikimedia commons)

Es geht zuerst um die Entwicklung eines erweiterten Bewusstseins für das Große Ganze.

Nie zuvor standen jedem einzelnen Menschen so viele Informationen über die Welt zur Verfügung wie heute. Wir müssen jedoch feststellen, dass die Interessen und Wissensschwerpunkte der Menschen auch noch nie so unterschiedlich und beliebig waren. Trotz weitreichender Bildungsangebote wissen wir häufig »sehr viel über sehr wenig« und »sehr wenig über sehr viel«.

Vor diesem Hintergrund können wir die Lage der Welt nicht entscheidend verbessern, weil uns der Überblick fehlt. Ohne diesen Überblick sind wir ebenfalls nicht in der Lage, die Menschheit als Ganzes zu begreifen. Ohne dieses Begreifen wiederum übersehen wir unsere verbindenden Gemeinsamkeiten und irren weiterhin ziellos in unseren Unterschieden umher.

Was wir brauchen ist ein gemeinsames Ziel, ein weltumspannendes Wir-Gefühl, ein Weltgespür. Ohne das gemeinsames Ziel einer gesunden Welt wird sich nichts durchgreifend ändern.

Die Menschheit ist mehr als die bloße Summe aller Menschen! Nur dann, wenn wir uns – und das heißt die Mehrheit aller Menschen! – als eine Einheit begreifen, werden wir unsere entscheidenden Gemeinsamkeiten erkennen. Erst dann können wir das wahrhaft Richtige vom Falschen unterscheiden. Erst dann können wir einen gemeinsamen, uns alle verbindenden Glauben an das Gute entwickeln. Erst dann werden wir auch eine gemeinsame, nachhaltig gute Zukunft erschaffen können. Eine große Masse von Menschen mit gleichen Zielen kann die kritische Masse überschreiten, die notwendig ist, um unsere ökosoziale Schwarmintelligenz zu aktivieren.

Wir sollten uns bewusst machen, dass wir weitaus mehr sind als nur Verbraucher von Waren und Dienstleistungen, Nutzer von vorgegebenen Ideen Anderer oder gar nur Spielfiguren in einer virtuellen Schattenwirklichkeit! Die Situation der Welt erfordert Ideenreichtum und schöpferischen Einsatz von jedem Einzelnen für unsere gemeinsame Zukunft. So darf es nicht sein, dass wir unser menschliches Denkvermögen weitgehend nur als Arbeitnehmer in den Dienst bestimmter Interessen stellen und uns darüber hinaus hauptsächlich mit geistig oberflächlichen Dingen die Zeit vertreiben. Wir brauchen dringend einen Wechsel von der Industriegesellschaft zu einer ganzheitlich orientierten Wissensgesellschaft.

Collage von Menschentypen
Wir Menschen sind sehr unterschiedlich und doch haben wir weitaus mehr Gemeinsamkeiten (Quelle: Kollektiv (Cats' photos), Wikimedia commons)

Ganzheitliche Bildung kann entscheidend dazu beitragen, dieses Weltgespür zu entwickeln. Der Weg, voreilig von uns auf andere zu schließen, ist bekanntlich ein unsicherer Weg. Daher sollten wir zuerst das Große Ganze erkennen, um von dort aus auf uns selbst und andere schließen zu können.

Das Streben nach Ganzheitlichkeit ist keine unwissenschaftliche oder gar esoterische Träumerei. Wenn wir das enorme Wissen der Menschheit auf das Wesentliche reduzieren; wenn wir uns ernsthaft bemühen, das Wirken, Funktionieren und Ziel der Welt zu begreifen, werden wir erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält!

Die vorliegende »Erkenntnisfindung« soll allen Menschen zugänglich sein. Sie möchte das wesentliche Wissen über die Welt in einfachen Begriffen verständlich machen, so dass es »in jeden Kopf passt, dort wächst und ein Ganzes wird«!

Wenn man die wesentlichen Theorien der modernen Wissenschaften ganzheitlich miteinander verbindet, kann man zu wahrhaft tiefgreifenden Erkenntnissen gelangen. Es kann sein, dass sie auf den ersten Blick kaum glaubwürdig erscheinen. Doch es lohnt sich, immer wieder darüber nachzudenken, denn es geht nicht um Glauben, sondern um Gewissheit!

Zuerst werden wir die erstaunlichen Schlussfolgerungen in hochverdichteter Form kennenlernen. Anschließend wenden wir uns Punkt für Punkt den entscheidenden wissenschaftlichen Lehrmeinungen zu, aus denen die Schlussfolgerungen abgeleitet wurden.

Übrigens braucht sich niemand dafür zu schämen, etwas nicht zu verstehen. Das moderne Wissen ist sehr kompliziert. Wichtig ist vielmehr, die innere Logik der Gedankengänge zu erkennen!


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